Zum Jahresende erscheint die neue Ausgabe des „Informationsdienst Straffälligenhilfe“. In den Beiträgen werden die jugendstrafrechtlichen Sanktionsformen des Jugendarrests und der Jugendstrafe kritisch diskutiert und Alternativen vorgestellt. Werfen Sie hier einen Blick in das Editorial und Inhaltsverzeichnis der Ausgabe.


Editorial
Jugendkriminalität ist ein universelles Entwicklungsphänomen – darin ist sich die Wissenschaft einig. Regeln zu brechen, gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens dazu. Das bedeutet, dass die meisten Jugendlichen irgendwann auch strafrechtliche Normen übertreten. Meist sind dies Bagatelldelikte. Nur eine sehr kleine Gruppe von jugendlichen Straftätern verübt einen großen Prozentsatz der Straftaten. Trotz rückläufiger Kriminalitätsentwicklung und dem Rückgang von Verurteiltenzahlen bei Jugendlichen und Heranwachsenden, werden in Politik und Medien jedoch immer wieder die Verschärfung von Gesetzen, der Ausbau des Jugendarrests, längere Haftstrafen und der Ausbau der geschlossenen Heimerziehung gefordert. Und das, obwohl die Wirkungslosigkeit einer Strafverschärfung bereits 2006 im Zweiten Periodischen Sicherheitsbericht beschrieben und festgestellt wurde, »dass nach härteren Sanktionen die Rückfallrate bei vergleichbaren Tat- und Tätergruppen höher ist« und es »bis heute keine Gruppe von Straftätern (gibt), für die – in spezialpräventiver Hinsicht – eine Überlegenheit von Jugendarrest oder (unbedingter) Jugendstrafe im Vergleich zu ambulanten Reaktionen empirisch belegt worden wäre.«

Statt härterer Strafen und neuer Sanktionsformen bedarf es dringend neuer Kooperationsformen, die gemeinsam von Jugendhilfe, Jugendstraffälligenhilfe, Justiz und Jugendpsychiatrie verantwortet werden.

Der Jugendarrest und die Jugendstrafe als jugendstrafrechtliche Sanktionsformen werden daher in dieser Ausgabe kritisch beleuchtet. Inwiefern kann Beziehung dort gelingen? Welche Grundbedingungen müssen erfüllt sein, wenn Jugendliche eine Jugendstrafe oder einen Arrest verbüßen? Welche Alternativen gibt es?
Sie finden in dieser Ausgabe einige Fachbeiträge, außerdem erhalten Sie Einblicke in die praktische Arbeit von Personen, die mit straffällig gewordenen Jugendlichen und Heranwachsenden arbeiten.

Friedhelm Sanker vom Bund der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland stellt die Evaluation des hessischen Jugendstrafvollzugs vor. Er sieht in dieser Studie die Wirkung des Jugendstrafvollzugs bestätigt und weist darauf hin, dass der Vollzug noch dort Wirkung entfaltet, wo alle anderen Erziehungsmittel bereits versagt haben (S. 9). Werner Nickolai von der Katholischen Universität Freiburg kommentiert die hessische Studie (S. 12) und sieht die Ergebnisse zur positiven Wirkung des Jugendstrafvollzuges weiterhin kritisch. Einen Blick in den Arrest erhalten wir durch die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter. Diese hat 22 Jugendarrestanstalten besucht und stellt ihre Ergebnisse vor (S. 13). Der Kriminologe Christian Pfeiffer stellt seine Forschungsüberlegungen vor und beschreibt in seinem Beitrag eindrücklich, warum das Schlagen von Kindern durch Eltern und Lehrer dazu beiträgt, dass eine Gesellschaft besonders hohe Strafbedürfnisse und rassistische Tendenzen entwickelt (S. 33). Was eine Handy-App, Fußball und ein »Seehaus« mit Resozialisierung zu tun haben, erfahren Sie dann ab Seite 25. Selbstverständlich finden Sie in dieser Ausgabe auch wieder einige Berichte aus den Mitgliedsverbänden und Aktuelles zur Rechtsprechung. Etwas darf ich hier auch noch verraten: Die BAG-S plant in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfe (DVJJ) eine Neuauflage der Broschüre »Wenn Jugendliche straffällig werden …«. Das sind doch mal gute Neuigkeiten!
Ein herzliches Dankeschön geht auch an das Projekt »Risk Assessment« (S.45-46), das uns einige Bilder für diese Ausgabe zur Verfügung gestellt hat.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre mit wertvollen Diskussions- und Denkanstößen!

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Gabriele Sauermann
Mitglied des BAG-S Vorstands

Inhaltsverzeichnis
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